Die Gründe dafür, Bilder auf der Haut zu verewigen, sind so individuell wie der Mensch selbst. Bei frühzeitlichen Tätowierungen geht man von einem Stammesritual oder von einem kultischen Hintergrund aus.

 

In Ägypten sollte eine Tätowierung dem Verstorbenen Kraft und Fortpflanzungsfähigkeit im Jenseits geben. Bei den Ainu, den Ureinwohnern Japans, erkannte man an einer Tätowierung rund um den Mund den Status eines erwachsenen Eheweibs. Afrikanische Stämme drückten den Zusammenhang von Zeugung, Geburt, Tod, Kraft und Mut aus.

 

Religiös ist der Hintergrund bei den Hautzeichen der Frühchristen. Sie ließen sich die Anfangsbuchstaben Christi, CX oder I.N. (Jesus Nazarenius), oder Symbole des Christentums wie Lamm, Kreuz oder Fisch auf die Stirn oder das Handgelenk stechen. Die Kreuzritter im Mittelalter stachen sich ebenfalls ein Kreuz in die Haut. Ohne diese Identifizierung, so ihr Glaube, war einem Kämpfer im muslimischen Morgenland die christliche Ruhestätte nicht sicher.

 

Warum Tätowierungen?

 

 

Ob Seeleute, Fremdenlegionäre, die japanischen Mafiosi der Yakuza, Angehörige der SS im Zweiten Weltkrieg, Prostituierte und Zuhälter oder Mitglieder der Rockerbande Hells Angels – (Rand-)Gruppen nutzen bis heute Tätowierungen als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit. Im NS-Konzentrationslager Auschwitz bekamen die Häftlinge eine Nummer auf den Arm tätowiert, um Leichen ohne Kleidung und geflohene Häftlinge identifizieren zu können.

 

Die Kunst auf der Haut diente auch als Broterwerb: Auf Jahrmärkten und in Kuriositätenkabinetten verdienten sich Menschen mit ihrer Zurschaustellung den Lebensunterhalt. Ein Beispiel aus heutiger Zeit ist der zu 99,9 Prozent tätowierte Schotte Tom Leppard. Mitte der 80er Jahre ließ er sich sein Leoparden-Design anlegen und seine Eckzähne spitz feilen. Lange Zeit war er im „Guinness Buch der Rekorde“ als der am vollständigsten tätowierte Mensch aufgeführt.

 

Tätowierungen waren und sind oft Ausdruck einer Gegenkultur, die sich gegen geltende Normen richtet. Doch wie viele andere Protesthaltungen ist auch das Tätowieren längst salonfähig geworden: Prominente Sänger, Schauspieler und Sportler lassen sich genauso tätowieren wie Bankangestellte, Lehrer und Studenten. Individuelle, möglichst fantasievolle Tattoos, sind Kult, gelten als modisch, erotisch und schick. Auch der psychologische Aspekt, seelische Befindlichkeiten für alle sichtbar auf der Haut zu tragen, hat sich in den letzten Jahren verstärkt.

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