Im Sommer wird sichtbar: Was Fußball-Profis, Musiker und sogar eine Politiker-Gattin vormachen, findet viele Nachahmer. Die Deutschen haben ein Faible für Tätowierungen.

 

Es war ein internationaler Aufreger: Der neue deutsche Bundespräsident Christian Wulff ist nicht nur der erste, der als Patchwork-Familienvater mit Kleinkind das erste Amt des Staates übernimmt. Auch Gattin Bettina fiel für manch konservativen Beobachter aus der Rolle: Auf ihrem rechten Oberarm prangt ein schwarzes Tattoo.

Was Fußball-Profis, Musiker und nun sogar eine Politiker-Gattin vormachen, findet beim Normaldeutschen Anklang. Einzig das sogenannte Steiß-Tribal ist laut Dirk-Boris Rödel, Chefredakteur des „Tätowiermagazins“, „durch seine pejorative Bezeichnung als Arschgeweih rum ums Eck“. Wer glaubt, die allgemeine „Arschgeweih“-Verpönung habe dazu geführt, dass Tattoo-Studios schließen müssen und proportional dazu Laser-Kliniken aus dem Boden schießen, in denen Jugendsünden entfernt werden, täuscht sich. Im Gegenteil: Die Zahl der Studios in Deutschland steigt. Etwa 5000 registriert der Verein der Deutschen Organisierten Tätowierer (DOT) – Tendenz steigend.



 

Branchen-Insider unterscheiden zwischen zwei Kategorien von Kunden: Diejenigen, die das irreversible Zeichen auf ihrem Körper als Mode-Accessoire sehen und jene, „die wirklich ein Tattoo wollen“, wie es Andy Schmidt ausdrückt, einer der Vorstände des DOT. Die Mode-Leute hätten eher dezente Wünsche: ein oder mehrere Sternchen, beispielsweise am Handgelenk oder chinesische Schriftzeichen. An Dimensionen wie die des Steiß-Tribals, wie das „Arschgeweih“ korrekt heißt, wagten sie sich eher nicht mehr heran.

Liebhaber gehen aufs Ganze

 

Tätowierer beobachten das mit gespaltener Meinung. Diejenigen, die sich eher als Dienstleister und Handwerker sehen, haben kein Problem damit, das 500. Sternchen zu stechen. Jene jedoch, die sich als Künstler wahrnehmen, bekommen dabei Bauchschmerzen. „Manche Moden nehmen überhand, die Tätowierer ziehen dann die Notbremse“, hat Dirk-Boris Rödel, Chefredakteur des „Tätowiermagazins“, beobachtet. Auf „Conventions“, den internationalen Messen der Tätowierer, stehen an manchen Ständen Schilder, auf denen ein durchgestrichener Stern zu sehen ist. In Österreich gründete sich sogar eine Initiative samt Website, die unter sternfrei.at gegen den Kommerz auf dem Tattoo-Markt, insbesondere gegen „Sterne, chinesische Schriftzeichen und andere einfallslose Tätowierungen“ wettert.

Abseits der modischen Trends sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wer sich „wirklich“ tätowieren lassen will, der geht aufs Ganze. Und auch auf den gesamten Körper. Über verschiedene Körperbereiche verteilte Motive werden laut Martin Barnas, Chefredakteur des Magazins „Tattoo-Spirit“, immer beliebter, auch, „um weniger vorteilhafte Partien wie etwa eine Narbe zu kaschieren“. Außerdem gern genommen: Portraits von Haustieren, Verwandten oder Stars, die fotorealistisch in die Haut gestochen werden und so genannte „full sleeves“ auf dem Arm, also ein ganzer Ärmel aus Tattoos. Wer glaubt, das machten nur Freaks, hat sich schon wieder getäuscht. Studios, die sich darauf spezialisiert haben, führen Wartelisten von bis zu eineinhalb Jahren.
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