Giftige Farbstoffe, verbotene Konservierungsmittel und krebserregende Bestandteile: In zwei Dritteln von 38 untersuchten Tätowierfarben entdeckten Chemiker schädliche Substanzen.

 

Tätowierfarben enthalten oft gesundheitsschädliche, teils sogar krebserregende Stoffe. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe am Freitag vorstellte. Demnach entdeckten die Chemiker in einem Drittel von 38 untersuchten Tätowierfarben nicht erlaubte Substanzen. Zudem enthielten zwei Drittel technische Farben, die beispielsweise in Autolacken verwendet werden. „Eine insgesamt erschreckende Bilanz angesichts des starken Modetrends Tattoo“, bewertete das Amt sein Untersuchungsergebnis.

Bei Kontrollen von Tätowier-Studios beklagten sich den Angaben zufolge selbst Tätowierer „nicht selten über mangelhafte Informationen, welche Farben denn nun sicher seien“. Laut Studie waren es nur 13 der 38 untersuchten. In 13 Proben fanden sich sogar gesundheitsschädliche und teils krebserregende Stoffe, wie etwa Nitrosamine und Phenol. Zwar gibt es seit 1. Mai 2009 eine Tätowiermittelverordnung. Doch dabei besteht dringend Verbesserungsbedarf.

Die Behörde beklagte vor allem, dass es für Tätowierfarben im Gegensatz zu Kosmetikfarbstoffen keine Positivliste für unbedenkliche Farben gibt. Deshalb könnten Tätowierer beispielsweise das Pigment „Red 254“ einsetzen, das als Autolackfarbe „Ferrari Rot“ gehandelt wird und vor dessen Hautkontakt in Sicherheitshinweisen gewarnt werde. Die derzeitige Rechtslage mache es möglich, dass dieses Pigment, das von Herstellern aus China stammt, für die Hautbilder verwendet werden darf.

Probleme nach einer Tätowierung melden

Wer sich tätowieren lassen will, der sollte sich auf jeden Fall über die Inhaltsstoffe der Farben erkundigen, rät Evamaria Kratz, Laborleiterin für kosmetische Mittel am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA). „Am besten wäre es, wenn sich die Leute die Leitlinien der Untersuchungsämter für Betreiber von Tattoo-Studios durchlesen.“ Sie seien im Internet abzurufen. Beschwerden nach einer Tätowierung sollten Verbraucher auf jeden Fall dem CVUA melden.

Über Langzeitwirkungen von Tätowiermitteln lägen bislang noch keine Erkenntnisse vor, sagte Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Rudolf Köberle (CDU) Allerdings seien Farbstoffe in den Lymphknoten tätowierter Menschen nachgewiesen worden. Hier bestehe die Gefahr, dass sich daraus Tumore entwickeln. Da viele Tätowierer ihre Farben im Internet bestellen – sie kommen vor allem aus Asien –, seien dringend einheitliche internationale Regelungen nötig, betonte Köberle. Die Wissenschaftlerin Kratz bemängelt: „Die Kosmetik-Verordnung ist detaillierter geregelt, die Tätowiermittel-Verordnung noch nicht. Da darf man das noch alles einsetzen.




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